Backgammon lernen - Teil 1

Backgammon ist nicht nur eines der ältesten existierenden Spiele, es ist auch eines der Schwersten zu beherrschen. Während man die Grundregeln in ein paar Minuten lernen kann, dauert es viele Jahre an Übung und Studium ein echter Experte zu werden. Die Kombination von Spielstärke und Glück zusammen mit menschlicher Psychologie macht es sehr schwer zu erkennen, wie gut oder schlecht man in jeder beliebigen Phase tatsächlich ist. Glück wird oft als Spielstärke missverstanden, Verlust durch schlechtes Spiel wird meistens mit Pech erklärt. Das menschliche Gehirn kann den Gedanken nicht vertragen schwach zu sein, der Gedanke Pech zu haben ist viel leichter zu ertragen, zumindest hat man eine Ausrede für den Verlust, und muss nicht die eigene Inkompetenz eingestehen.
Zwischen den Stufen gerät man immer wieder in lange Verluststrecken, was zum Teil von ganz normalen Pechsträhnen kommt, aber auch das Ergebnis von Experimenten mit verschiedenen Strategien ist, die man anstellt um seine Spielstärke zu verbessern. Ohne umfangreiche Anstrengungen die eigenen Spiele zu analysieren und noch mal durchzusehen, kann man den echten Grund für Gewinn oder Verlust nicht erkennen.
Das Folgende ist eine Liste meiner eigenen Entwicklung durch die Stufen, das wird sicher bei Jedem anders aussehen, abhängig davon, wie viel Zeit man mit üben verbringt und wie intensiv man studiert oder Analysen noch mal durchsieht, aber vielleicht kann der ein oder Andere sich irgendwo hier finden.
Stufe 1: Novice
Jemand erklärt mir die Regeln und wir machen ein paar Testspiele. Ich bombardiere ihn mit Fragen und ich fühle, egal wie viele Fragen ich stelle, ich verstehe nicht mal alle Regeln, aber nach einer Weile gewinne ich ein paar Spiele und fühle mich zuversichtlich.
Ich melde mich bei einem kostenlosen Online Backgammon Server an und spiele 7500 Spiele im ersten Monat, ich bin schon total süchtig, das Spiel hat mich gefangen und ich kann nicht mehr aufhören. Aber ich verliere dauernd, alle machen mich fertig und ich verstehe es nicht, ich fühle mich vom Pech verfolgt. Ich bin überzeugt ich beherrsche das Spiel bereits, ist doch nur ein bisschen Logik, Steine in Sicherheit halten und hoffen gut zu würfeln. Wie können alle meine Gegner immer die passende Zahl würfeln um mich zu schlagen? Warum würfele ich nicht auch mal etwas Gutes? Sollte das Glück nicht jedes zweite Spiel auf meiner Seite sein?
Ich melde mich von dem Server ab, da stimmt etwas nicht, soviel Pech wie ich da habe ist nicht normal und mein rating ist so weit unten, ich kann mir vorstellen, dass alle Anderen über mich lachen, die müssen mich für einen Vollidioten halten. Ich finde ein Freeware Backgammon Programm zum download und ich beginne gegen den Computer zu spielen, aber mit dem Programm stimmt auch etwas nicht.
Der Computer besiegt mich schlimmer als die Spieler online, nun ja, es ist Freeware, kein Wunder wenn der Programmierer nicht viel in die Spielstärke seines Programms investiert hat, der hat es einfach so programmiert, dass der Computer die besseren Würfel bekommt. Ich beginne alle Spiele wo ich schlecht stehe abzubrechen und spiele nur die Spiele, die ich gewinne, wenigstens mein Ego ist damit zufrieden.
Ich finde einen anderen online Backgammon Server, mit vielen netten Leuten, eine Menge Chats gibt es da und ich lerne einige sehr nette Spieler kennen, die mit mir spielen und mir einige Tipps geben. Zuerst fühle ich mich angegriffen, wollen die mich etwa schulmeistern hier? Ich bin ein erfahrener Spieler, ich habe schon tausende von Spielen gespielt, die können mir nichts erzählen was ich nicht schon weiß! Aber dann wird mir plötzlich klar, die Jungs haben Recht, was die mir erzählen macht Sinn, die Strategien die sie mir zeigen sind meiner Idee von Steine zusammenhalten und um gute Würfel zu beten weit überlegen. Ich habe kein Pech, ich spiele einfach nur schlecht!
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