Eröffnungszüge in Backgammon - Teil III

In Artikel 3 über Eröffnungszüge in Backgammon betrachten wir drei weitere Würfelergebnisse und wie diese zu spielen sind.
Wir betrachten nun die folgenden Ergebnisse: 21, 41, 51.
Jedes dieser Würfelergebnisse kann in zumindest 2 Varianten gespielt werden und wir werden wie gewohnt die Pro und Contra dieser Varianten aufzeigen.
Wären wir in den 1970er Jahren wäre dieser Artikel ziemlich kurz; zu dieser Zeit hat jeder die gewürfelte 1 als 6/5 gespielt. Damals hat niemand die weiter hinten liegenden Spielsteine getrennt, indem er z.B. 24/23 gespielt hat. Das Bauen von wichtigen Points und diese beim nächsten Zug zu festigen war damals üblich.
Jahre sind seitdem vergangen und mithilfe von Computeranalysen können wir nun Argumente für beide Spieltaktiken finden.
Das Bauen des 5-Point mit 6/5 ist ein Versuch, das eigene 5-Point so früh wie möglich zu festigen. Sollte Ihr Gegner den Blot nicht schlagen, dann haben Sie in der nächsten Runde sehr gute Chancen dieses Point zu bauen. Das Spiel kann sich dann in verschiedenste Spieltaktiken entwickeln, doch meist wird es zu einem Prime gg Prime – Spiel werden, dass das schwerste aller Backgammon-Spiele ist.
Seien Sie sich bewusst, dass das „einmauern“ in gewissen Points oft zu komplexen Spielpositionen führen kann. Das Teilen von Steinen jedoch entwickelt sich oft zu viel einfacheren Positionen, meist zu gegenseitigem Spielhalten oder hohen Anker-Positionen.
Dies führt uns zum Thema der Analyse Ihrer Spielstärke gegen die des Gegenspielers und wie Sie Ihr Spiel dieser Analyse nach anpassen sollten. Wenn Sie der stärkere Spieler sein sollten, sollten Sie auf komplexere und längere Spiele abzielen und versuchen Points zu besetzen. Je komplexer die Positionierungen sind, desto wahrscheinlicher wird Ihr spielschwächerer Gegner Fehler machen – je länger das Spiel ist, desto mehr Chancen werden Sie haben Ihre überlegene Spielerfahrung zu nutzen.
Sollten Sie der weniger erfahrene Spieler sein, sollten Sie natürlich darauf abzielen komplexe Spiele zu vermeiden und einfachere Spielpositionierungen zu erschaffen. Dies würde eher zum Aufteilen der Spielsteine führen und nicht zu einer hohen Anzahl Spielsteine auf einigen wenigen Points.
Beachten Sie bitte, dass in Turnierspielen der führende Spieler auf einfache Spiele abzielen sollte, während der Spieler der hinten nach ist auf komplexe Spiele, also dem Bauen von Points, abzielen sollte. Dies deshalb, da das „Einmauern in Points“ eher zu einem Gammon führt als das Aufteilen der Spielsteine und der Spieler, der in einem Match hinten nach ist, sollte versuchen ein Gammon zu erreichen.
Die Würfelergebnisse (teilen oder festigen)
21
Ignorieren wir hier den Anfängerzug 13/10. Der Start des Spiels ist die Zeit wo wir Risiken eingehen können um unsere Position zu stärken, und während 13/10 einen schweren Point abbaut und darauf vorbereitet neue Points zu bauen, ist es dennoch nicht so dynamisch wie die anderen zwei Züge hier. Beide verschaffen uns jeweils zwei durchaus gute Vorteile.
Zuerst betrachten wir 13/11, 6/5, wie unten gezeigt wird:

Somit bauen wir zwei unserer schwersten Points ab und besetzen das wichtigste Point auf dem Spielbrett – das eigene 5-Point. Sollte Spieler Rot diesen Blot jetzt nicht schlagen (und die Chancen stehen gut dafür) dann hat Schwarz sehr gute Chancen diesen Point beim nächsten Zug zu festigen.
Sollte Rot dennoch den Blot schlagen, dann ist der schwarze Blot auf dem 11-Point gut positioniert um den nunmehr roten Spielstein auf dem 5-Point zu schlagen. Dies deshalb, da der Stein 6 Züge entfernt ist vom 5-Point und eine gewürfelte 6 nicht zum Wiedereintreten des schwarzen Steins von der Bar in das Spiel benutzt werden kann.
Die anderen Option ist das Aufteilen, 13/11, 24/23:

Das Aufteilen hat zwei Ziele. Es ist nun gefährlicher für Rot Steine in das Äußere Board zu bewegen und es gibt Schwarz einige gute Möglichkeiten bei seinem nächsten Zug einen fortschrittlichen Anker zu erschaffen, z.B. mit 32 gespielt als 24/21, 23/21 (errichtet einen Anker auf dem 21-Point).
Das Aufteilen birgt weniger Risiken in sich als das Bauen gewisser Points und deshalb sind die möglichen spieltaktischen Belohnungen auch geringer. Sollten sie das Bauen schaffen, werden Sie ihr 5-Point festigen; dass entspricht einem großem Spielvorteil. Der Vorteil des Aufteilens liegt meist in einem fortschrittlichen Anker oder dem Schlagen eines roten Steins im Äußeren Board. Diese Vorteile können nicht ignoriert werden, dennoch ist das Festigen des 5-Point der größte Vorteil den Sie zu Anfang eines Backgammonspiels erreichen können.
41
Können wir für 41 die selben Argumente wie oben verwenden und somit zu den selben Antworten kommen?
Die Antwort lautet nein, und wir müssen das Ganze genauer betrachten.
Erneut ignorieren wir den Anfängerzug 13/8 aus den selben Gründen wie 13/10 als Alternativzug für 21. Während es komplett sicher ist und es einen weiteren Stein dem 8-Point von Schwarz hinzufügt, bringt uns dieser Zug einfach nicht so viel wie andere Möglichkeiten zu Beginn des Spiels, wo Sie noch Risiken eingehen können.
Betrachten wir die brauchbareren Züge.
Zuerst das Bauen, 13/9, 6/5:

und das Aufteilen, 13/9, 24/23:

Die Theorie des Bauen gg. Aufteilens funktioniert auch hier, wie diese es schon bei 21 gemacht hat. Jedoch gibt es mathematische Unterschiede, die diesen Zug viel gefährlicher für uns machen
• Nach Spielen des Bauens hat Rot nun 19 Nummern zum Schlagen (im Gegensatz zu 15 bei 21) da er nun mit 62 und 53 und mit allen gewürfelten 4ern schlagen kann.
• Da der schwarze Stein zum Bauen nun auf dem 9-Point und nicht auf dem 11-Point ist, hat Schwarz beim nächsten Zug mehr Point-erzeugende Würfelergebnisse, sogar ohne ein Point zu festigen. Deshalb ist es möglich, dass das Festigen des Points zuviel des Guten sein könnte.
• Wenn der Blot zum Bauen des Points geschlagen werden sollte, hat Schwarz nun nicht mehr einen Spielstein im optimalen 6 Point Abstand und der Stein auf dem 9-Point ist viel weniger effektiv platziert um zurückzuschlagen.
Dies sieht auf den ersten Blick aus wie geringe Unterschiede, aber geringe Unterschiede machen Backgammon aus. Heutige Computersoftware lässt darauf schließen, dass eben diese kleinen Unterschiede groß genug sind und somit das Aufteilen 13/9, 24/23 die korrekte Spielweise für 41 ist.
Meiner Meinung nach sind diese Unterschiede korrekt, aber sie beziehen nicht den Faktor “Gegenspieler” mit ein. Gegen einen schwächeren Spieler werden ich immer 13/9, 6/5 spielen, um ein komplexeres Spiel zu erzeugen, dass mir meiner Meinung nach einen Vorteil verschafft. Gegen einen Gegner gleicher Stärke oder einem stärkeren Gegner würde ich 13/9, 24/23 spielen.
Eine letzte Anmerkung zu 41. Es existieren andere Alternativen wie 24/20, 24/23 und 24/20, 6/5. Im Laufe der Zeit wurden diese Eröffnungszüge jedoch von der Backgammon-Gemeinschaft abgelehnt. Der erste Eröffnungszug deshalb, da es nicht die Option des Abbauens des reichlich mit Steinen belagerten Mittel-Points miteinbezieht und der zweite Eröffnungszug da Aufteilen und Bauen in einem Zug einfach zu gewagt ist, wie wir gleich sehen werden.
51
Das bringt uns zu 51. Erneut gibt es hier geringe Unterschiede. Analysieren wir die zwei Züge, beginnend mit dem Festigen von Points, 13/8, 6/5:

und hier dem Aufteilen der Steine, 13/8, 24/23:

Das Problem mit beiden Zügen ist, dass die gewürfelte 5 nicht wirklich die Spielsituation von Schwarz verbessern kann. Schwarz hat schon einen freien Stein zur Festigung auf dem 8-Point. Ein weiterer Spielstein dort ist im besten Fall nur eine geringe Verbesserung. Auf jeden Fall lassen sich gewürfelte 5en zu Anfang des Spiel nur sehr mäßig spielen; dennoch müssen wir akzeptieren, was uns die Götter der Würfel gegeben haben. 13/8 ist wirklich die einzige Möglichkeit die wir hier haben.
Die Sache mit dem Festigen ist, dass wenn Rot es verpasst den Blot zu schlagen, dass Schwarz dann zwar noch immer eine gute Position hat um den 5-Point zu bauen, die Chancen hierfür jedoch nur 2:1 stehen. Bei 21 und 41 wäre Schwarz jedoch der große Favorit.
Eben aus diesem Grund bevorzugen Computersimulationen erneut das Teilen der Steine mit 13/8, 24/23, obwohl es ziemlich eng wird. So wie in den Anmerkungen zum 41 Spiel, spiele ich jedes Mal das Festigen gegen schwächere Gegner und diesmal jedoch auch gegen gleichstarke Gegner. Nur gegen sehr viel stärkere Gegenspieler verwende ich die Option des Aufteilens.
Mit 51 steht uns auch eine dritte Option offen, die in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Jedoch habe ich diese Variante bisher nicht oft gesehen. Dennoch denke ich, dass ein Blick auf diese Möglichkeit wichtig ist. Der Zug ist 24/18, wie hier dargestellt:

Die Logik hinter diesem Zug ist sehr ähnlich der für 62 und 63, die wir bereits betrachtet haben. Der Zug zielt darauf ab es Schwarz zu ermöglichen entweder das rote Bar-Point zu festigen oder eine für Schwarz günstige Schlagreihenfolge der Spielsteine auf diesem Point zu forcieren. Diese Variante verwendet auch die gewürfelte 5 effektiv, das nicht durch Festigen oder Aufteilen erreicht wird.
Zusammenfassung
Da ist es also nun. Mit 21 ist es ziemlich offensichtlich, dass der technisch beste Zug 13/11, 6/5 ist, aber vergessen Sie nicht ihren Gegenspieler und den derzeitigen Matchstand.
Ebenso offensichtlich ist 41 mit 13/9, 24/23 da Festigen hier leicht zuviel des Guten werden kann.
Mit 51 ist das Urteil unentschieden und Festigen und Aufteilen halten sich mehr oder minder die Balance, dennoch favorisieren Computersimulationen mit leichtem Vorsprung das Aufteilen der Steine.
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